Hans-Dieter Nachtigall
*27. Juli 1937 †23. April 2020
Wir trauern


Wir trauern um Hans-Dieter Nachtigall, der am 23. April nach schwerer Krankheit gestorben ist und 30 Jahre lang in der Rüsselsheimer Stadtverwaltung für den Sport verantwortlich zeichnete. Wir trauern aber nicht nur um den Sportamtsleiter, sondern vor allem anderen um den Freund, dem im Zweifelsfalle die Sportlerinnen und Sportler in ihren Vereinen wichtiger waren als manchmal einengende Verordnungen. Hilfe für Vereine und ihre Veranstaltungen rangierten für ihn immer an erster Stelle. Noch bei den Jubiläumsfeierlichkeiten des Sportbundes im letzten Jahr zeigte er sich gut informiert über das aktuelle Sportgeschehen der Stadt und hielt in der Runde der Sportler und Funktionäre mit seinen Kommentaren nicht hinter dem Berg (Foto: Dieter Nachtigall am 21. Juli 2019 bei „Wein am Main“).

Nach Rüsselsheim kam Dieter Nachtigall, 1937 in Berlin geboren, auf Umwegen. Die Familie zog nach einer Zwischenstation im Harz nach Göttingen, wo der Vater als Polizist arbeitete, Dieter im Tor des damaligen Oberligisten Göttingen 05 stand, Landesmeister im Fünfkampf wurde und sich zum Großhandelskaufmann ausbilden ließ. 1960 regte Adalbert Dickhut, Weltklasseturner, Gründer der Deutschen Turnschule in Frankfurt und 1970 maßgeblicher Initiator des Rüsselsheimer Sportbundes, ihn an, sich zum Turn- und Sportlehrer ausbilden zu lassen und sein Hobby, den Sport, zum Beruf zu machen. So wurde Dieter Nachtigall erster hauptamtlicher Übungsleiter der TG Rüsselsheim und Sportlehrer erst an der Albrecht Dürer- und dann an der Georg Büchner-Schule. 1971 wurde er Abteilungsleiter im damaligen städtischen Presse-, Sport- und Verkehrsamt. Nach der Aufteilung der Fachgebiete leitete er ab 1973 das Sportamt. Am 31. Januar 2001 war sein letzter offizieller Arbeitstag als Sportamtsleiter.

An welche Projekte dieser 30 Jahre erinnern wir uns? An den Bau der Walter-Köbel-Halle gleich zu Beginn seiner Amtszeit, an den ersten Kunstrasenplatz Rüsselsheims beim SC Opel, den Stadionumbau, den Bau zahlreicher Tennisplätze, eine Aktion, die  den Boom dieser Sportart nutzte, um vielen Rüsselsheimer Hobby-Spielerinnen und -Spielern bezahlbare Platzstunden zu verschaffen? Oder auch an die zusammen mit dem Sportbund organisierten intensiven und mit zahlreichen anekdotischen Erlebnissen verbundenen Begegnungen mit Sportlerinnen und Sportlern aus Rüsselsheims Partnerstädten? Da brauchte es auch Dieters diplomatisch-rhetorische Fähigkeiten, englische Zöllner davon zu überzeugen, dass die Sportgeräte der Rüsselsheimer Schützen keine gefährlichen Waffen sind. Gerade die sportliche Partnerschaft zu Rugby war lange Zeit auch deshalb so intensiv, weil sich Dieter Nachtigall und Roland Honeybun, sein englisches Gegenüber, fachlich, persönlich und bis zum Schluss freundschaftlich verbunden wussten.

Und – nicht nur nebenbei – war Dieter Nachtigall ein Musterbeispiel für die Binsenweisheit, dass ohne Funktionäre nichts funktioniert: Von 1971 bis 1990 war er Vorsitzender des Turngaus Main-Rhein, war bei den Organisatoren von Deutschen Turnfesten, der Damen-Volleyball-WM im Jahre 2001 und im Ausschuss für die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele.  Von 2001 bis 2008 führte er in turbulenten Zeiten den SC Opel Rüsselsheim als Erster Vorsitzender und war einer der Initiatoren der Interessengemeinschaft "Pro Köbelhalle", als deren Abriss zur Debatte stand.

Mit Sicherheit ist diese Aktivitätenliste unvollständig. Man nehme sie als eine Auswahl, die selbstverständlich anders und ausführlicher sein könnte.

Rüsselsheims Sportvereine, der Sportbund und viele Rüsselsheimer Sportlerinnen und Sportler verneigen sich vor Hans-Dieter Nachtigall und seinen Verdiensten um den Sport in unserer Stadt.

Weitere Nachrufe haben der SC Opel, der Turngau Main-Rhein und die Main-Spitze veröffentlicht. Das Rüsselsheimer Echo bringt am 30. April den (leicht gekürzten) Nachruf des Sportbundes.